Episode 01 – Wer ich bin & woher ich komme
Shownotes
🎙 In dieser Folge:
– Meine Kindheit zwischen mehreren Ländern – 11 Umzüge in 9 Jahren – Leben auf internationalen Schulen – Trilingual aufgewachsen – Das Gefühl, immer der Neue zu sein – Identität & Anpassung
🧠 Themen: Identität · Third Culture Kid · Kindheit · Selbstfindung · Mental Health
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Transkript anzeigen
Wilkommen zur ersten Folge meines Podcasts. Schön, dass du da bist.
Diese Folge ist persönlich.Vielleicht sogar ein bisschen verletzlich.
Ich erzähle dir heute,wer ich bin –und wie ich zu dem geworden bin,der ich heute bin.
Es geht um Bewegung.Um viele Orte.Um das Gefühl,immer wieder neu anfangen zu müssen.
Und um das,was dabei in einem Menschen entsteht,auch wenn man es lange nicht benennen kann.
Vielleicht findest du dich in manchen Momenten wieder.Vielleicht berührt dich etwas,ohne dass du genau weißt, warum.
Wenn das so ist, dann bist du hier richtig. Lass uns gemeinsam anfangen.
Ich bin in Mainz geboren.
Und gerade als ich angefangen habe, dieses vage Gefühl von „Zuhause“ zu entwickeln, passierte etwas, das meinen Start ins Leben geprägt hat: Wir zogen um.
Kanada. Toronto. Ich war sechs Monate alt.
Natürlich kann ich mich nicht erinnern. Ich habe kein Bild vor Augen, keinen Ton im Ohr. Aber ich glaube heute sehr fest daran, dass unser Körper Dinge speichert, lange bevor wir Worte dafür haben. Bewegung. Abschied. Neuanfang. Das kann ein Baby nicht verstehen – aber es kann es spüren.
Und wenn ich mir vorstelle, wie das war – Koffer, Kartons, Nervosität, vielleicht auch Vorfreude bei meinen Eltern – dann denke ich: Selbst wenn niemand weint, liegt so etwas in der Luft. So ein „Wir lassen etwas zurück“. So ein „Ab jetzt ist alles anders“.
Dieses frühe Unterwegssein hat sich bei mir nicht als Erinnerung gespeichert, sondern als Grundton. Als ein inneres „gleich passiert wieder etwas“. Als ein leises Wachsein.
Bewegung war normal. Bleiben war ungewöhnlich.
In den ersten Jahren meines Lebens war Veränderung nichts Besonderes. Neue Wohnung. Neue Nachbarschaft. Neue Wege. Neue Gesichter. Ich wusste damals nicht, dass andere Kinder jahrelang im selben Zimmer schlafen, die gleichen Geräusche nachts hören, die gleichen Menschen im Treppenhaus treffen.
Für mich war es normal, dass Dinge nicht bleiben.
Und vielleicht klingt das für manche sogar nach Abenteuer. Nach „wow, das ist ja spannend“. Aber als Kind bedeutet es vor allem eins: Du musst dich immer wieder neu orientieren. Und du lernst früh, dich innerlich nicht zu sehr festzulegen.
Weil Festlegen weh tun kann.
Es gibt so ein Gefühl, das ich gut kenne: Du kommst irgendwo an, du richtest dich gerade ein, du weißt nach ein paar Wochen, wo der Supermarkt ist, wo der Spielplatz ist, wie die Leute „Hallo“ sagen – und dann kommt dieser Satz: „Wir ziehen bald wieder um.“
Und ich weiß nicht mehr, wie oft ich diesen Satz in meinem Leben gehört habe. Aber ich weiß, was er mit mir gemacht hat.
Er hat etwas in mir trainiert: Nicht zu lange genießen. Nicht zu tief verwurzeln. Nicht zu sehr hoffen, dass es diesmal bleibt.
Mit jedem Wechsel gab es kleine Abschiede. Manchmal von Menschen. Manchmal von Orten. Manchmal nur von einem Gefühl, das sich gerade erst so angefühlt hat, als könnte es Heimat werden. Und irgendwann lernt man, Abschiede nicht mehr groß werden zu lassen. Man hält es klein. Man bleibt ein bisschen auf Distanz. Nicht aus Kälte – sondern aus Schutz.
Und das ist ein Punkt, der mir heute wichtig ist: Kinder machen das nicht, weil sie „cool“ sind. Sie machen das, weil sie es müssen. Weil ihr System einen Weg findet, damit klarzukommen.
Ich merke das bis heute: Wenn etwas gut wird, wenn etwas sich stabil anfühlt, taucht manchmal eine alte Stimme auf, die sagt: „Genieß es nicht zu sehr. Es könnte gleich wieder anders sein.“ Das ist nicht dramatisch, es ist leise. Aber es ist da.
Und vielleicht kennst du das auch. Vielleicht kennst du dieses merkwürdige Gefühl, dass Ruhe nicht nur angenehm ist, sondern auch ungewohnt. Dass du erst entspannen musst, bevor du entspannen kannst. Dass du manchmal in Situationen wach bist, in denen andere einfach nur… sind.
Bei mir ist dieses Wachsein oft wie ein kleines Radar. Ich scanne Räume. Ich registriere Stimmungen. Ich merke, wenn etwas kippt, noch bevor jemand es ausspricht. Das war als Kind praktisch. Als Erwachsener ist es manchmal anstrengend.
Als Kind konnte ich das natürlich nicht benennen. Ich wusste nur: So ist Leben.
Heute weiß ich: Das war mein Startmuster. Mein Normal.
Und ich erzähle dir das nicht, um eine besondere Geschichte zu erzählen. Sondern um sichtbar zu machen, wie früh sich Dinge in uns einschreiben. Wie früh wir anfangen, Strategien zu entwickeln – noch bevor wir verstehen, dass es Strategien sind.
Vielleicht noch ein Bild dazu, das mir immer wieder kommt, obwohl ich es nicht „erlebt“ habe: Dieses typische Umzugs-Setting. Kartons stapeln sich. Irgendwo liegt ein einzelnes Spielzeug auf dem Boden, das man vergessen hat einzupacken. Erwachsene reden über Organisatorisches, über Papiere, über Termine. Und ein Kind spürt nur: „Irgendwas passiert hier.“
Und ich glaube, genau da entsteht etwas wie ein inneres Versprechen: „Ich werde es schaffen.“ Nicht laut. Nicht bewusst. Sondern als stiller Entschluss. Als ein kleines, frühes Überlebens-„Okay“.
In Toronto, so erzählen es meine Eltern, war vieles neu. Wetter. Menschen. Alltag. Und ich stelle mir vor, wie sie versucht haben, mir Sicherheit zu geben, während sie selbst noch keine hatten. Das ist niemandes Schuld. Das ist einfach das Leben. Aber für ein Kind ist das verwirrend: Wenn die Großen suchen, suche ich mit.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so früh gelernt habe, mich an Umstände anzupassen, statt zu erwarten, dass Umstände sich an mich anpassen. Weil mein System schon sehr früh begriffen hat: „Du bist hier nicht der Mittelpunkt. Du musst mitgehen.“
Und genau dieses Mitgehen – dieses ständige innerliche Aufspringen, bevor überhaupt jemand gerufen hat – ist später zu einem Muster geworden. Zu etwas, das ich erst viel später wirklich verstanden habe.
Und weil ich glaube, dass viele Menschen genau solche Muster kennen, auch wenn ihre Geschichte ganz anders aussieht. Vielleicht warst du nicht auf fünf Kontinenten. Vielleicht bist du nie umgezogen. Und trotzdem kennst du dieses innere „Ich halte mich lieber bereit“. Dieses „Ich vertraue erst, wenn ich sicher bin“. Dieses „Ich bleibe ein bisschen auf Abstand“.
In den nächsten Minuten gehe ich weiter: von diesem frühen Grundton hin zu den Jahren, in denen die Umzüge häufiger wurden, die Schulen wechselten, die Sprachen sich verschoben – und in denen ich gelernt habe, mich anzupassen, bevor ich überhaupt wusste, wer ich ohne Anpassung bin. (**ENDE TEIL 1**)
Dann kam Brüssel.Belgien.Ein neues Land.Eine neue Umgebung.Eine andere Stimmung.
In Brüssel sind wir ebenfalls zweimal umgezogen.Und ich ging dort auf die International School of Brussels.Klasse drei bis sechs.
Internationale Schule klingt nach Offenheit,nach Vielfalt, nach vielen Möglichkeiten.Und auf eine Weise war es das auch.
Kinder aus unterschiedlichsten Ländern.Unterschiedliche Sprachen.Unterschiedliche Familiengeschichten.Niemand war „normal“ im klassischen Sinne –und genau das war normal.
Aber internationale Schulen habeneine ganz eigene Dynamik.Alle wissen:Niemand bleibt ewig.
Freundschaften entstehen schnell.Und sie enden oft genauso schnell.Man lernt, Nähe zuzulassen –aber immer mit einem inneren Vorbehalt.
Nicht, weil man keine Lust auf Freundschaft hat,sondern weil man weiß,dass Abschied dazugehört.Dass er nicht die Ausnahme ist,sondern Teil des Systems.
Ich erinnere mich daran,wie leicht es mir fiel,Kontakte zu knüpfen.Wie schnell Gespräche entstanden.Wie selbstverständlich Zugehörigkeit wirkte.
Und genauso selbstverständlich war es,sich wieder zu lösen,wenn jemand ging –oder wenn wir wieder gingen.
Damals erschien mir das normal.Heute weiß ich:Das war eine Fähigkeit,die aus Erfahrung entstanden ist.
Nähe, aber kontrolliert.Verbindung, aber mit Sicherheitsabstand.Nicht aus Kälte –sondern aus Selbstschutz.
Ich habe früh gelernt,beweglich zu bleiben.Innerlich nicht ganz anzukommen.Immer bereit, weiterzugehen.Nicht, weil ich wollte –sondern weil es sicherer war,als zu hoffen,dass etwas bleibt.
Und vielleicht habe ich dort zum ersten Mal verstanden,dass Bewegung auch eine Art Zuhause sein kann.Dass Anpassung nicht immer Schwäche ist,sondern manchmal schlicht Überlebenskunst.Etwas, das mich getragen hat –lange bevor ich wusste,wie sehr es mich auch formen würde.
Dann kam der nächste Wechsel.Das Lycée Français.
Eine neue Sprache.Ein neues System.Eine neue Art, sich zu bewegen.
Plötzlich war Englisch nicht mehr der sichere Boden.Deutsch war nie meine Schul-Sprache gewesen.Und jetzt kam Französisch dazu –nicht als Fremdsprache,sondern als Unterrichtssprache.Mathe. Geschichte. Biologie.Alles auf Französisch.
Ich habe gelernt, sehr schnell zu scannen.Stimmungen. Erwartungen.Wie sprechen die anderen?Wie verhalten sie sich?Was ist hier richtig –und was fällt auf?
Ich war nicht „der mit dem Akzent“.Ich war eher der,der sich überall einfügen konnte.Fast zu gut.
Je nach Umgebungwechselte ich nicht nur die Sprache,sondern auch meine Rolle.Ein bisschen ruhiger hier.Ein bisschen witziger dort.Ein bisschen erwachsener,als ich eigentlich war.
Damals fühlte sich das nach Stärke an.Nach Flexibilität.Nach einer Fähigkeit,die mir Türen öffnet.
Heute sehe ich auch die andere Seite.Denn wenn man sich ständig anpasst,stellt sich irgendwann eine leise Frage:Wer bin ich,wenn gerade niemand etwas von mir erwartet?
Identität wird brüchig,wenn sie immer im Außen entsteht.Wenn Zugehörigkeit davon abhängt,wie gut man sich einfügt.
Ich habe funktioniert.Ich habe mitgemacht.Ich habe gelernt.
Aber irgendwo dazwischenging etwas verloren,das ich erst viel späterwieder bewusst suchen musste.
In dieser Zeit habe ich gelernt,mich selbst eher von außen zu beobachtenals von innen zu spüren.Ich war präsent, angepasst, funktional.Aber mein eigenes Gefühlhatte immer weniger Raum.Es war leiser geworden,weil Anpassung wichtiger warals Ausdruck.
Dann kam die Rückkehr.Zurück nach St. Louis.
Auf dem Papier wirkte es vertraut.Gleiche Stadt.Gleiches Land.Gleiche Sprache.
Aber innerlich war nichts mehr gleich.
Ich kam nicht zurück als derselbe.Ich hatte andere Erfahrungen gemacht.Andere Systeme kennengelernt.Andere Rollen gespielt.
Und trotzdem erwartete das Umfeld etwas Vertrautes.Als wäre ich einfach nur wieder da.Als hätte sich nichts verändert.
Ich merkte schnell,dass Rückkehr manchmal schwieriger istals ein kompletter Neuanfang.
Denn bei einem Neuanfangdarf man fremd sein.Bei einer Rückkehr nicht.
Ich wusste, wie Dinge hier funktionierten.Ich sprach die Sprache.Ich kannte die Codes.
Und trotzdem fühlte ich mich innerlichwie ein Besucher im eigenen Leben.
Ich hatte gelernt, mich anzupassen.Zu funktionieren.Mich einzufügen.
Aber diesmal funktionierte das nicht mehr so reibungslos.Etwas in mir war wacher geworden.Feiner.Sensibler.
Ich beobachtete mehr.Hinterfragte mehr.Und zog mich innerlich zurück.
Nicht aus Ablehnung.Sondern aus Vorsicht.
Denn ich hatte gelernt,dass auch das Vertrautejederzeit wieder verschwinden kann.
Diese Rückkehr machte mir zum ersten Mal klar,dass Bewegung nicht nur im Außen stattfindet.Sondern auch im Inneren.
Und dass jedes GehenSpuren hinterlässt –selbst dann,wenn man scheinbar zurückkommt.
Ich hatte gelernt zu gehen,bevor etwas endet.Und plötzlich war ich wieder da,ohne wirklich angekommen zu sein.Diese Spannung blieb.Zwischen dem, was vertraut wirkte,und dem, was sich innerlich fremd anfühlte.
Es war das erste Mal,dass Rückkehr sich nicht wie Sicherheit,sondern wie ein neuer Verlust anfühlte.
Dann kam Genf.Schweiz.Internat.
Die International School of Geneva.Die letzten drei Schuljahre.Klasse zehn bis dreizehn.
Internat klingt nach Freiheit.Nach Unabhängigkeit.Nach Erwachsenwerden.
Und auf eine Weise war es das auch.
Ich war plötzlich auf mich gestellt.Kein tägliches Nachhausekommen.Keine vertrauten Routinen.Kein Rückzugsort, der selbstverständlich da war.
Man lebt mit anderen.Man schläft mit anderen.Man isst mit anderen.Und trotzdem ist man oft allein.
Ich musste früh Verantwortung übernehmen.Für meinen Alltag.Für meine Entscheidungen.Für mich selbst.
Das hat mich stark gemacht.Aber es hat mich auch sehr frühsehr erwachsen werden lassen.
Ich funktionierte.Ich organisierte mich.Ich hielt Schritt.
Aber innerlich war ich oft müde.Nicht körperlich.Sondern emotional.
Denn wenn man schon als Kind gelernt hat,sich ständig anzupassen,dann wird Selbstständigkeitleicht mit Alleinsein verwechselt.
Im Internat gab es wenig Raumfür Unsicherheit.Wenig Platz für Fragen wie:„Bin ich richtig?“oder„Darf ich gerade schwach sein?“
Also machte ich weiter.So wie ich es gelernt hatte.
Ich hielt mich zusammen.Ich machte, was nötig war.Und schob vieles nach innen.
Erst viel später verstand ich,dass dieses frühe Erwachsenwerdennicht nur Stärke war –sondern auch Schutz.
Ich hatte gelernt, stark zu wirken,auch wenn ich es nicht war.Verantwortung zu tragen,ohne jemanden zu haben,der sie mit mir teilt.Das Internat war kein Bruch,sondern die logische Fortsetzung dessen,was ich schon lange kannte:funktionieren,auch wenn es innen still wird.
Mit dem Internat kam auch die Pubertät.Und die traf mich nicht leise.
Während andere Halt suchten,musste ich funktionieren.Während andere ausprobierten,musste ich stabil wirken.
Mein Körper veränderte sich.Meine Gedanken wurden lauter.Und mein Inneres unübersichtlicher.
Aber ich hatte keine Sprache dafür.Keine Übung darin,über Unsicherheit zu sprechen.Also blieb vieles still.
Ich war oft müde.Nicht vom Lernen.Sondern von mir selbst.
Ich spürte Druck,ohne genau zu wissen, woher er kam.Er war einfach da.Als Grundrauschen.
Ich lernte, Gefühle zu sortieren,bevor sie sichtbar wurden.Ich lernte, Kontrolle zu behalten,auch wenn innen Chaos war.
Nach außen funktionierte ich.Ich machte, was erwartet wurde.Ich hielt Schritt.
Aber innen begannen erste Brüche.Leise.Unauffällig.
Momente, in denen ich michvon mir selbst entfernte.Nicht bewusst.Eher wie ein Schutzmechanismus.
Wenn es zu viel wurde,zog ich mich innerlich zurück.Ich war da –aber nicht ganz.
Damals nannte ich das nicht so.Heute weiß ich:Das war Überforderung.Und ein frühes Lernen,sich selbst zu verlassen,um weiterzumachen.
Ich hatte kein Wort dafür.Aber ich hatte eine Strategie.
Und die trug mich –erst einmal.
In dieser Zeit begann ich,mich selbst eher zu regulierenals zu fühlen.Ich wurde ruhiger nach außenund leerer nach innen.Nicht, weil nichts da war –sondern weil zu viel da war.Es war der Anfang eines Musters,das mir half zu überleben,lange bevor ich verstand,was es mich kostete.
Rückblickend erkenne ich heute etwas,das ich damals nicht benennen konnte.
Wenn es zu viel wurde,war ich nicht mehr ganz da.
Ich funktionierte weiter.Ich sprach.Ich lachte.Ich machte, was nötig war.
Aber innerlich zog sich etwas zurück.
Es war kein bewusster Entschluss.Kein Weglaufen.Eher ein leises Abschalten.
Als würde jemandden Ton ein bisschen runterdrehen,damit es erträglicher wird.
Ich war präsent,aber distanziert.Anwesend,aber nicht wirklich verbunden.
Damals hielt ich das für Normalität.Für Reife.Für Kontrolle.
Heute weiß ich:Das war Dissoziation.
Ein Schutzmechanismus.Nicht dramatisch.Nicht sichtbar.Aber wirksam.
Wenn Gefühle zu intensiv wurden,wenn Erwartungen zu hoch waren,wenn ich keinen Raum hatte,einfach unsicher zu sein,dann zog sich mein Inneres zurück.
So konnte ich weitermachen.So konnte ich funktionieren.So konnte ich bestehen.
Dissoziation war kein Fehler.Sie war eine Lösung.
Eine Lösung für ein System,das früh gelernt hatte,dass es sicherer ist,nicht alles zu fühlen.
Erst viel später habe ich verstanden,dass Überleben manchmal bedeutet,sich selbst ein Stück zu verlassen –um nicht ganz zu zerbrechen.
Und auch wenn mich dieser Mechanismuslange getragen hat,musste ich irgendwann lernen,wieder zurückzukommen.
Lange hielt ich diesen Zustand für Stärke.Für Kontrolle.Für Erwachsensein.Erst viel später wurde mir klar,dass Abwesenheit kein Zeichen von Reife ist,sondern von Schutz.Und dass man nicht dauerhaftneben sich stehen kann,ohne sich irgendwann selbst zu verlieren.
Damals wusste ich noch nicht,dass all diese ErfahrungenSpuren hinterlassen würden.
Ich hatte keine Sprache für das,was in mir arbeitete.Kein Konzept von Trauma.Kein Wissen über Schutzmechanismen.Kein Bewusstsein für innere Muster.
Ich wusste nur:So bin ich eben.
Anpassungsfähig.Belastbar.Funktionierend.
Und lange Zeit glaubte ich,dass genau das meine Stärke ist.
Erst Jahre später,viel später,begann sich etwas zu verschieben.
Nicht plötzlich.Nicht dramatisch.
Eher in kleinen Momenten.In Irritationen.In Fragen, die sich nicht mehrso leicht wegschieben ließen.
Warum fällt mir Ruhe schwer?Warum bin ich so wach für Stimmungen?Warum brauche ich so lange,um mich sicher zu fühlen?
Ich begann zu merken,dass mein Leben nicht nurvon Bewegung geprägt war,sondern auch von dem,was ich dabei zurückgelassen hatte.
Gefühle.Bedürfnisse.Unsicherheit.
Und ich begann vorsichtig zu verstehen:Das, was mich getragen hat,hat mich auch geformt.
Nicht falsch.Nicht kaputt.Aber geprägt.
Diese Erkenntnis war kein Ende.Sie war ein Anfang.
Ein leiser Moment von:Vielleicht darf ich mir selbstein Stück näherkommen.
Und genau dort setzt dieser Podcast an.Nicht bei Lösungen.Nicht bei Antworten.
Sondern bei dem Versuch,hinzuschauen.Zu verstehen.Und Verbindung herzustellen.
Ich musste nicht alles sofort verstehen.Nicht alles einordnen.Nicht alles heilen.Es reichte, wahrzunehmen,dass meine Geschichte Wirkung hatte.Und dass Hinsehen kein Rückschritt ist,sondern ein erster, leiser Schrittzurück zu mir selbst.
Ein Schritt,der leise begann,aber zum ersten Mal nicht von Anpassung,sondern von Ehrlichkeit getragen war.
Danke, dass du mir zugehört hast.In der nächsten Folgegeht es weiter mit meiner Geschichte –mit Familie, Dynamikenund den Dingen,die uns früh prägen,oft ohne dass wir es merken.
Bis zur nächsten Folge.
Dies war Leben im Erleben.Geschichten aus meinem Leben –vielleicht auch ein Stück aus deinem.
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